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2003 - Auf einen Blick
Wirtschaftsforum Landkreis Meißen - 02. Dezember 2003
Wirtschaftsforum Region Ostsachsen - 19. September 2003
Gabriele Borczyk (Borczyk, Dr. Rudel & Schäfer GmbH, Steuerberatungsgesellschaft)
Andrea Wagner (Grüter, Hamich & Partner; Steuerberatungsgesellschaft M. H. mbH)
Dr. Helfried Schmidt (OSKAR-Stiftung; Rm Regionalmagazin)
Ulrich Wagner (Wirtschaftsforum Sächsisches Elbland e.V.)

 
Wirtschaftsforum für den Landkreis Meißen - 02.12.2003

Im Landkreis Meißen war die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WRM GmbH), vertreten durch den Geschäftsführer Herr Peter Rudolph, unser wichtigster Partner bei der Durchführung des Wirtschaftsforums, an welchem folgende Referenten und Fachexperten teilnahmen:

  • Landkreis Meißen, Hr. Arndt Steinbach, Landrat
  • IHK Dresden, Hr. Hartmut Paul, Präsident
  • Kreissparkasse Meißen, Hr. Bardo Thaler, Stellv. Vorstandsvorsitzender
  • Volksbank Meißen, Hr. Lothar Knauer Vorstandsmitglied
  • Steuerberaterin + vereidigte Buchprüferin(vBP), Fr. Andrea Wagner, Grüter Hamich & Partner, Meißen
  • Rechtsanwalt, Hr. RA Klaus Rosenhagen, Kanzlei Zwipf Rosenhagen Partnerschaft
  • Fördermittel, Hr. Osman Nasr, Fachexperte für Fördermittelberatung

Die Interessen der Schweizer Wirtschaft wurden vertreten vom:

  • Schweizer Generalkonsul, Hr. Hans Dürig, Schweizer Generalkonsulat für Sachsen, Sachsen-Anhalt + Thüringen

Die Unternehmenskontor für Deutschland GmbH wurde repräsentiert von:

  • Hr. Ulf Herfurth, Geschäftsführer



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Wirtschaftsforum für die Region Ostsachsen - 19.09.2003

Anlässlich der Bautzner Unternehmertage (BUT) führten wir in enger Kooperation mit dem Leiter des Wirtschaftsförderungsamtes der Stadt Bautzen, Herrn Eckehard Oßwald, ein Wirtschaftsforum durch, an dem folgende Teilnehmer durch Ihre fundierten Referate zu einer erfolgreichen Veranstaltung beitrugen:

  • Oberbürgermeister der Stadt Bautzen, Hr. Christian Schramm
  • IHK Dresden, Hr. Rainer Reißaus, Referatsleiter Außenwirtschaft
  • Kreis Sparkasse Bautzen, Hr. Ulrich Bartscher, Vorstandsmitglied
  • Volksbank Bautzen, Hr. Schneider, Vorstandsmitglied
  • Rechtsanwalt, Hr. RA Andreas Zwipf, Kanzlei Zwipf Rosenhagen Partnerschaft
  • Fördermittel, Hr. Osman Nasr, Fachexperte für Fördermittelberatung

Die Interessen der Schweizer Wirtschaft wurden vertreten vom:

  • Schweizer Generalkonsul, Hr. Jörg Flühmann, Leiter Swiss Business Hub Germany
  • Schweizer Konsul, Hr. Daniel Blatter, Schweizer Generalkonsulat für Sachsen, Sachsen-Anhalt + Thüringen

Die Unternehmenskontor für Deutschland GmbH wurde repräsentiert von:

  • Hr. Ulf Herfurth, Geschäftsführer



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Interview mit Frau Gabriele Borczyk, Steuerberaterin in Bautzen

Gabriele Borczyk:
Geschäftsführende Gesellschafterin
Borczyk, Dr. Rudel & Schäfer GmbH, Steuerberatungsgesellschaft
Martin-Hoop-Straße 32, 02625 Bautzen

Wer ist die Borczyk, Dr. Rudel & Schäfer GmbH, Steuerberatungsgesellschaft und durch welche Dienstleistungen zeichnen sie sich speziell aus?

Unsere Kanzlei existiert seit 1990. Wir sind seit Beginn in Bautzen ansässig. Bei uns sind ca. 20 gut qualifizierte Mitarbeiter tätig und wir betreuen hauptsächlich Klein- und mittelständische Unternehmen. Unsere Dienstleistungen umfassen das Erstellen von Buchhaltungen, Lohnabrechungen für die Mitarbeiter, Jahresabschlüsse, Steuererklärungen und so weiter. Daneben sind wir sehr aktiv im Bereich der Finanzierungs- und Investitionsberatung und -Gestaltung. Ein weiterer wichtiger Bereich stellt für uns die Unternehmensberatung dar. Nebst der reinen betriebswirtschaftlichen Beratung und der Aufarbeitung des dazu notwendigen Zahlenmaterials wird auch die Beratung im Bereich der Unternehmensnachfolge und Erbfolge ein immer wichtigeres Thema, dem wir uns mit unseren dazu spezialisierten Mitarbeitern in der Zukunft noch vermehrt widmen werden.

Was fällt Ihnen zu den Stichworten „Unternehmenssicherung + Nachfolgeregelung“ im Bereich der Klein- und mittelständischen Unternehmen ein?

Das Thema Unternehmensnachfolge wird von den Unternehmern meistens viel zu nachlässig angegangen. Häufig müssen die Unternehmer durch Dritte, beispielsweise den Steuerberater oder die finanzierende Bank, mit der Nase darauf gestoßen werden. Es darf nicht sein, dass sich ein Unternehmer erst mit beispielsweise 63 Jahren fragt, was geschieht mit meinem Unternehmen, wenn ich einmal nicht mehr da bin. Es spricht nichts dagegen, bereits Ende 40, Anfangs 50 sich erste Gedanken in Richtung Unternehmensnachfolge zu machen. Selbst bei einer Familien internen Nachfolgeregelung ist es sinnvoll und notwendig, rechtzeitig die Weichen zu stellen und die notwendigen Abklärungen und Vorbereitungen zu treffen.

Betrachten Sie die Wahrung der Vertraulichkeit im unternehmens-internen Entscheidungsprozeß einer Nachfolgeregelung als wichtig?

Für mich ist die Wahrung der Vertraulichkeit eine erste und ganz entscheidende Voraussetzung im gesamten Prozess einer Unternehmensnachfolgeregelung, welche zwingend gegeben sein muss. Als Steuerberater sind wir von Beruf wegen zur Verschwiegenheit und damit auch zur Wahrung der Vertraulichkeit verpflichtet. In jedem Ablauf einer Unternehmensnachfolgeregelung kommt aber der Punkt, wo die Vertraulichkeit teilweise oder ganz aufgehoben werden muss, andernfalls ein Verkauf gar nicht möglich wird. Allerdings sollte die Art und Weise und der Zeitpunkt mit großer Vorsicht und von Fall zu Fall mit dem Unternehmer gemeinsam festgelegt werden. Schlussendlich bestimmt jedoch der Unternehmer Art und Umfang einer Preisgabe von vertraulichen Informationen über sein Unternehmen. Es ist aber unsere Pflicht, ihn auf die möglichen Gefahren und Konsequenzen rechtzeitig aufmerksam zu machen.

Ein Unternehmer steht, aus welchen Gründen auch immer, vor der Aufgabe, für sein Unternehmen einen Nachfolger oder zusätzlichen Teilhaber zu finden. Würden Sie ihm empfehlen, dies alleine zu tun oder sich in dieser Phase beraten zu lassen?

Auf jeden Fall sollte sich der Unternehmer beraten lassen, wenn es um die Nachfolgeregelung in seinem Unternehmen geht. Das muss nicht immer der Steuerberater sein. Es gibt auch sehr qualifizierte Unternehmensberater oder Rechtsanwälte, welche dies sehr gut machen und die dazu notwendige Erfahrung mitbringen. Ich kann es keinem Unternehmer empfehlen, den Unternehmensnachfolger auf eigene Faust zu suchen. Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, dass Unternehmer im Normalfall über den Umfang der notwendigen Schritte hin zu einer rechtlich abgesicherten Nachfolgeregelung, aber auch zu einer fundierten Berechnung des Unternehmenswertes keine Vorstellung haben. Dafür ist das Thema viel zu komplex. Ein Unternehmer befasst sich im Normalfall einmal in seinem Leben mit dem Thema seiner Nachfolgeregelung. Woher soll er da die notwendigen Kenntnisse und Erfahrung mitbringen. Selbst wenn schon ein Nachfolger feststeht, sollte die rechtliche und steuerliche Seite vorab geklärt werden, um möglichen Schaden zu verhindern.

Angenommen, Sie würden sich für die Übernahme eines Unternehmens interessieren und würden dazu möglicherweise noch etwas Geld von der Bank benötigen. Welche Unterlagen, Zahlen, Daten und Fakten erwarten Sie von einem "Übernahmekandidaten“?

Zur Beurteilung eines Unternehmens benötigen wir jeweils als erste Grundlage die Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre und dazu die aktuellen Zahlen des laufenden Jahres. Diese müssen jedoch im Sinne anerkannter betriebswirtschaftlicher Auswertungen umfassend aufgearbeitet werden, weil eine Jahresbilanz aus einer ganz anderen Optik heraus erstellt wurde. Dazu gehört sowohl eine detaillierte Aufstellung des aktuellen Anlagevermögens als auch eine umfassende Analyse der Betriebsausgaben und Kostenpositionen um mögliches Optimierungspotential erkennen zukönnen. Aber auch die Einnahmenseite muss eingehend betrachtet werden. Wie sind sie entstanden, welche Vertragspartner stehen dahinter und welche Qualität und Laufzeit haben die Verträge und Vereinbarungen. Wichtig ist auch die Struktur des Personals, Anzahl und Qualifikation der Mitarbeiter zu hinterfragen. Einfach nur die Zahlen offen zulegen ist viel zu wenig.

Angenommen, Sie wären heute Existenzgründer und stehen vor der Wahl, ein Unternehmen neu zu gründen oder ein im Markt gut eingeführtes Unternehmen mit stabilem Auftrags- und Ertragspotential, qualifizierten Mitarbeitern und umfangreichem Kundenstamm zu übernehmen. Welche Basis würden Sie als Start ins Unternehmertum als optimaler und Erfolgs versprechender betrachten?

Wenn ich persönlich vor der Wahl stehen würde entweder ein bestehendes Unternehmen zu erwerben oder es selbst zu gründen, dann würde ich in keinem Fall bei Null anfangen wollen, sondern viel eher ein bestehendes im Markt gut eingeführtes Unternehmen erwerben. Natürlich müssen dabei die Vertragsbedingungen passen und die Ertragsaussichten sich positiv darstellen lassen. Es liegt in der Natur der Sache, dass dieser Weg mit größerer Wahrscheinlichkeit viel erfolgreicher sein wird, als eine klassische Existenzgründung, welche bei Null anfängt.

Bautzen, Oktober 2003



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Interview mit Frau Andrea Wagner, Steuerberaterin
Geschäftsführende Gesellschafterin - Grüter, Hamich & Partner Steuerberatungsgesellschaft M. H. mbH

Wer ist Grüter, Hamich & Partner und durch welche Dienstleistungen zeichnen sie sich speziell aus?

Grüter, Hamich & Partner ist eine Steuerberatungsgesellschaft mit Sitz in Meissen. Nebst dieser selbständigen Gesellschaft hier in Meissen unterhalten wir vier weitere eigenständige Gesellschaften im Ruhrgebiet, mit denen wir eng kooperieren. Unser Unternehmenszweck ist die Steuerberatung, wobei unser Schwerpunkt nicht im Bereich der reinen Steuerdeklaration, sondern vielmehr in der umfassenden steuerlichen Beratung unserer Mandanten liegt. Im Mittelpunkt steht für uns die ganzheitliche, individuelle Beratungsleistung, welche auch einem zunehmenden Bedürfnis des Marktes entspricht. Nebst der rein steuerlichen Seite gehören zu einer ganzheitlichen Beratung auch die betriebswirtschaftlichen Bereiche, Finanzierungsberatung, Abklärungen der Fördermöglichkeiten und -fähigkeiten und weitere mehr. Dort wo wir die Fähigkeiten nicht hausintern abdecken können, beziehen wir diese über unsere langjährigen Netzwerkpartner.

Was fällt Ihnen zu den Stichworten "Unternehmenssicherung + Nachfolgeregelung" im Bereich der Klein- und mittelständischen Unternehmen ein?

Generell läßt sich sagen, daß eine Unternehmenssicherung nicht gegeben ist, wenn die Nachfolgeregelung nicht rechtzeitig angegangen wird. Im Bereich der Klein- und mittelständischen Unternehmen haben wir die Erfahrung gemacht, daß das Problem der Nachfolgeregelung häufig viel zu spät oder überhaupt nicht angegangen wird. Dies führt leider noch zu oft zum Tod und Untergang des Unternehmens, was in den meisten Fällen durchaus hätte verhindert werden können. Eine rechtzeitige Regelung der Unternehmensnachfolge sollte daher in jedem Falle unterstützt und gefördert werden.

Betrachten Sie die Wahrung der Vertraulichkeit im unternehmensinternen Entscheidungsprozeß einer Nachfolgeregelung als wichtig?

In unserem Berufsstand ist die Verschwiegenheitspflicht eine generelle Berufspflicht und daher selbstverständlich. In der Nachfolgeregelung ist die Vertraulichkeit besonders wichtig. Ein Unternehmen kann man nicht auf einem transparenten Markt, wie beispielsweise Aktien oder Immobilien, anbieten, weil sie auf diese Art enormen Schaden erleiden können bis hin zur Unverkäuflichkeit.

Ein Unternehmer steht, aus welchen Gründen auch immer, vor der Aufgabe, für sein Unternehmen einen Nachfolger oder zusätzlichen Teilhaber zu finden. Würden Sie ihm empfehlen, dies alleine zu tun oder sich in dieser Phase beraten zu lassen?

Entsprechend meinem Selbstverständnis für eine ganzheitliche Beratung würde ich einem Unternehmer speziell bei diesem heiklen Thema "Regelung der Unternehmensnachfolge" auf jeden Fall eine entsprechende Beratung empfehlen. Es sollte jedoch zunächst genau analysiert werden, wann, in welcher Art und in welchem Umfang ein Unternehmer entsprechende Beratungsleistungen benötigt. Dies sollte möglichst innerhalb eines qualifizierten Netzwerkteams erfolgen, damit man je nach Bedürfnis die entsprechende Unterstützung bedarfsgerecht beziehen kann.

Angenommen, Sie würden sich für die Übernahme eines Unternehmens interessieren und würden dazu möglicherweise noch etwas Geld von der Bank benötigen. Welche Unterlagen, Zahlen, Daten und Fakten erwarten Sie von einem "Übernahmekandidaten"?

Neben den geprüften und testierten Bilanzen der vergangenen 3 bis 5 Jahre erwarte ich aufgearbeitete betriebswirtschaftliche Auswertungen. Darüber hinaus würde ich eine umfassende Unternehmensprüfung (im Rahmen einer Due Diligence) erwarten, welche weitreichende Informationen, z.B. über die Mitarbeiterqualifikation, Mitbewerber, Wettbewerb, Marktchancen, bereitstellt. Das Ratingverfahren nach den Vorschriften von "Basel II" kann dabei eine gute Grundlage bilden, was mir persönlich aber noch nicht weit genug geht.

Angenommen, Sie wären heute Existenzgründerin und stehen vor der Wahl, ein Unternehmen neu zu gründen oder ein im Markt gut eingeführtes Unternehmen mit stabilem Auftrags- und Ertragspotential, qualifizierten Mitarbeitern und umfangreichem Kundenstamm zu übernehmen. Welche Basis würden Sie als Start ins Unternehmertum als optimaler und Erfolg versprechender betrachten?

Vor 8 Jahren hätte ich diese Frage vermutlich noch anders als heute beantwortet. In unserer Branche findet derzeit kein Wachstum, sondern nur noch eine Umverteilung statt. In Branchen ohne Wachstum hat ein Existenzgründer nur dann eine echte Überlebenschance, wenn er ein bestehendes Unternehmen zu fairen Konditionen übernehmen kann. Selbst weiteres Wachstum ist derzeit meist nur noch durch Übernahme bestehender Unternehmen möglich. Dass diese Unternehmen vor der Übernahme genauestens geprüft werden sollten, ist für mich selbstverständlich.


Meißen, Juli 2003



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Interview mit Herrn Dr. Helfried Schmidt
Gründer der OSKAR-Stiftung + des Rm Regionalmagazin für Wirtschaft und Unterhaltung

Einleitung
Was macht die OSKAR-Stiftung und welche Leserschaft deckt das Rm Regionalmagazin für Wirtschaft und Unterhaltung ab?

Die OSKAR-Stiftung ist eine private Initiative, die 1995 ins Leben gerufen wurde. Sie hat sich die Aufgabe gestellt, die Achtung und den Respekt vor dem Unternehmertum in Deutschland zu fördern. Die wesentlichste Maßnahme dafür ist die jährlich stattfindende OSKAR-Preisverleihung. Hervorragende mittelständische Unternehmen, welche in mehreren Kriterien bewertet wurden, werden mit dem "OSKAR für den Mittelstand" ausgezeichnet.

Das Regionalmagazin informiert über wesentliche Ereignisse aus der Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist gleichzeitig offizielles Publikationsorgan der OSKAR-Stiftung. Gegenwärtig erscheinen deutschlandweit 12 Regionalausgaben mit einer Gesamtauflage von 70.000 Exemplaren, die zu fast 100 % direkt an mittelständische Unternehmer versandt werden.

Interview

Was fällt Ihnen zu den Stichworten "Unternehmenssicherung + Nachfolgeregelung" im Bereich der Klein- und mittelständischen Unternehmen ein?

Unternehmenssicherung und Nachfolgeregelung sind Themen, welche zu Unrecht in der öffentlichen Diskussion immer hinten angestellt werden. In einer schwierigen wirtschaftlichen Phase wie heute genügt es überhaupt nicht, fast ausschließlich nur von Existenzgründungen zu reden. Es ist ebenso wichtig, die Aufmerksamkeit auf den Erhalt und Fortbestand der vorhandenen Unternehmen zu richten. Dies ist eine Aufgabe sowohl für die gesamte Volkswirtschaft als auch für jeden einzelnen Unternehmer. Es macht keinen Sinn, mit viel Mühe ein Lebenswerk aufzubauen und dies am Ende eventuell zwischen den Fingern zerrinnen zu sehen.

Betrachten Sie die Wahrung der Vertraulichkeit im unternehmens-internen Entscheidungsprozess einer Nachfolgeregelung als wichtig?

Zweifellos. Gerade deshalb kann ein Unternehmensverkauf in keinster Weise mit einem Immobilienverkauf verglichen werden. Im Gegensatz zu einer Immobilie geht es bei einem Unternehmen in ganz hohem Maße um "weiche Faktoren". Die kann man weder in einem Bild noch mit einer Headline darstellen. Unter Fachleuten ist klar, dass wirtschaftliche Abläufe nicht nur zu 50, sondern eher zu 90 % durch psychologische Einflüsse bestimmt werden, das heißt von, gegenseitigem Vertrauen und auch von gegenseitiger Vertraulichkeit. Speziell die Wahrung der Vertraulichkeit kann gerade bei einem Unternehmensverkauf nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Ein Unternehmer steht, aus welchen Gründen auch immer, vor der Aufgabe, für sein Unternehmen einen Nachfolger oder zusätzlichen Teilhaber zu finden. Würden Sie ihm empfehlen, dies alleine zu tun oder sich in dieser Phase beraten zu lassen?

Ein Unternehmer sollte in keiner Phase allein bleiben. Mittelständische Unternehmer sind das Rückgrat unserer marktwirtschaftlichen Gesellschaft. Was diese täglich leisten, zum Nutzen unserer Gesellschaft, ist viel zu wertvoll, als sie in irgend einer Phase alleine zu lassen. Doch der Unternehmensverkauf oder die Nachfolgeregelung sind Aufgaben, die der typische Unternehmer in der Regel nur einmal in seinem Leben gestellt bekommt. Hier sollte er sich erst recht kompetente Beratung suchen, wie er es sonst im Alltag auch tut.

Angenommen, Sie würden sich für die Übernahme eines Unternehmens interessieren und würden dazu möglicherweise noch etwas Geld von der Bank benötigen. Welche Unterlagen, Zahlen, Daten und Fakten erwarten Sie von einem "Übernahmekandidaten"?

In der Situation eines Käufers frage ich mich, was ich generell brauche, um einen möglichst realistischen Überblick über das Unternehmen und dessen Werte zu bekommen. Das ist mit Einblick in die Bilanzen nicht getan. Mich würden beispielsweise möglichst umfassende, detaillierte und aussagekräftige Informationen darüber interessieren, wie sich der Kundenstamm in den letzten Jahren entwickelt hat, mit welchen Marketingmaßnahmen er aufgebaut wurde, wie er im Alltag gepflegt wird, und wie hoch das Risiko eingeschätzt wird, das er nach erfolgtem Unternehmerwechsel zusammen bricht. Im Weiteren würde mich interessieren, mit welchem Personalstamm ich rechnen kann. Gab es dort in letzter Zeit eine hohe Fluktuation oder zeigt er sich relativ stabil? Dann würde ich gerne einen Blick auf die bestehenden Zulieferbeziehungen und die entsprechenden Verträge werfen. Könnte in diesem Bereich vielleicht in wenigen Monaten nach der Übernahme das böse Erwachen kommen oder sind die Zulieferbeziehungen relativ sicher? Auch schaue ich mir an, wie das Unternehmen in regionalen und überregionalen Netzwerken eingebunden ist. Sind dazu tragfähige Kooperationen vorhanden, welche auf solidem, partnerschaftlichem Fundament stehen oder steht das Unternehmen allein auf weiter Flur? Ist es vielleicht nur noch zufällig erfolgreich und in einem Jahr möglicherweise vergessen? Alles Fragen, welche ich beantwortet haben möchte.

Einen Teil der für mich wichtigen Informationen über ein Unternehmen würde ich in einem Standardverfahren nach den Vorschriften von "Basel II" berücksichtigt sehen. Trotzdem würden mir diese nach üblichem Standard erarbeiteten "Basel II - Kennziffern" noch nicht genügen, um eine endgültige Entscheidung über einen Unternehmenskauf zu fällen. Diese müßten, wie bereits erwähnt, um einige sehr wichtige Bereiche und Aspekte ergänzt werden.

Angenommen, Sie wären heute Existenzgründer und stehen vor der Wahl, ein Unternehmen neu zu gründen oder ein im Markt gut eingeführtes Unternehmen mit stabilem Auftrags- und Ertragspotential, qualifizierten Mitarbeitern und umfangreichem Kundenstamm zu übernehmen. Welche Basis würden Sie als Start ins Unternehmertum als optimaler und Erfolgs versprechender betrachten?

Hier muss ich zwei verschiedene Antworten geben: Eine für jüngere, unerfahrenere Existenzgründer und eine für Existenzgründer mit bestehendem Erfahrungspotential.

Wer von Grund auf neu anfängt, wer von Unternehmen und vom Unternehmertum noch nicht sehr viel weiß, der sollte auch tatsächlich "bei Null" anfangen. Der sollte erst mal als "Gesellenzeit" eine klassische Existenzgründung hinter sich zu bringen, um in 2 bis 5 Jahren zuerst einmal die Grundlagen zu schaffen.

Andere Existenzgründer bringen bereits Unternehmer - Erfahrung mit, weil sie beispielsweise Führungserfahrung aus anderen Unternehmen haben, oder weil sie schon während ihrer Studienzeit nebenberuflich Unternehmen aufbauen konnten, oder weil sie im elterlichen Unternehmen eine Menge lernen durften. Die können sich die "Gesellenzeit" sparen, denen ist die Übernahme eines bestehenden Unternehmens durchaus zu empfehlen. Vor allem in einer Zeit wie heute, wo es mehrere 100.000 Unternehmen gibt, welche schon jetzt und in den nächsten Jahren zunehmend zur Übernahme bereit stehen und dringend Nachfolger suchen. Für jemanden, der weiß, welche Verantwortung auf einen Unternehmer tatsächlich zukommt, ist der Kauf eines Unternehmens die optimalere Variante, mit der er mehrere Schritte und viel Zeit sparen kann.

Text zur internen Verwendung und Veröffentlichung durch die Unternehmenskontor f. D. GmbH genehmigt:

Ort, Datum: Leipzig 01.07.2003

 



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Interview mit Herrn Ulrich Wagner
Geschäftsführer des Wirtschaftsforum Sächsisches Elbland e.V.

Was macht das WFSE und welche Unternehmer und Unternehmen sprechen Sie speziell an?

Das Wirtschaftsforum Sächsisches Elbland ist aufgrund einer Initiative von Unternehmern aus der Region entstanden. Ursprüngliche Zielsetzung war das Erarbeiten und Finden von regionalspezifischen Problemlösungen für hier ansässige Unternehmen. Es ging hauptsächlich um die Berücksichtigung regionaler Eigenheiten, welche sich durchaus von denjenigen unterscheiden, welche auf Länder oder Bundesebene bestehen. Wir verstehen uns als sinnvolle und notwendige Ergänzung zu anderen Organisationen, wie zum Beispiel die Berufs- und Arbeitgeberverbände oder überregionale Wirtschaftsorganisationen.
Als zweiter Schwerpunkt kam die Überlegung dazu, dass sich z.B. eine Stadt wie Dresden mit seinem Umland als Region verstehen muss. Wir streben eine solche Regionalinitiative an und unterstützen aktiv deren Bildung. Das erklärt auch, warum wir zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Regionalinitiativen zählen. Entsprechend unserer Mitglieder, welche ausschließlich Unternehmer und Unternehmen sind, verstehen wir uns auch als klassischen Wirtschaftsverein, der sehr unternehmensbezogen arbeitet und bei dem somit auch Themen rund um die Wirtschaft im Vordergrund stehen. Wir haben keine spezielle Branchenausrichtung, sondern sind offen für sämtliche Wirtschaftsbereiche in unserer Region.

Was fällt Ihnen zu den Stichworten "Unternehmenssicherung + Nachfolgeregelung" im Bereich der Klein- und mittelständischen Unternehmen ein?

Unternehmenssicherung und Unternehmensnachfolge sind zwei Themen, welche leider viel zu selten zur Sprache kommen und wenn, dann häufig viel zu spät. Eine rechtzeitig eingeleitete und gut vorbereitete Nachfolgeregelung ist auf jeden Fall eine wichtige Maßnahme zur Unternehmenssicherung. Somit können diese zwei Themen durchaus in direkter Beziehung zueinander stehen.

Betrachten Sie die Wahrung der Vertraulichkeit im unternehmensinternen Entscheidungsprozess einer Nachfolgeregelung als wichtig?

Diese Frage könnte ich mit einem knappen "JA" beantworten. Die Wahrung der Vertraulichkeit ist Grundvoraussetzung für die Regelung der Unternehmensnachfolge. Es geht ja sehr häufig darum, ein Lebenswerk an einen Nachfolger zu übergeben. Dies ist ein sehr sensibles und heikles Thema, welches man nicht vergleichen kann mit Immobilienhandel oder Aktienverkäufen an der Börse. Verkaufswillige müssen bereit sein, zu einem gewissen Zeitpunkt vertraulichste Informationen über das Unternehmen preiszugeben. Das macht niemand gerne. Wenn der Unternehmer den Grundsatz der Vertraulichkeits-Wahrung verletzt, kann sein Unternehmen mit großer Wahrscheinlichkeit schweren Schaden erleiden.

Ein Unternehmer steht, aus welchen Gründen auch immer, vor der Aufgabe, für sein Unternehmen einen Nachfolger oder zusätzlichen Teilhaber zu finden. Würden Sie ihm empfehlen, dies alleine zu tun oder sich in dieser Phase beraten zu lassen?

Egal ob es um eine Familien interne Nachfolgeregelung oder eine externe Unternehmensnachfolge durch Dritte geht, es sollten in beiden Fällen qualifizierte Berater zugezogen werden. Im Normalfall führt ein Unternehmer nur einmal in seinem Leben eine Nachfolgeregelung durch. Dabei sind eine Vielzahl von rechtlichen und steuerlichen Aspekten zu berücksichtigen, welche nur von spezialisierten Steuerberatern, Rechtsanwälten und Fachberatern beherrscht wird.

Angenommen, Sie würden sich für die Übernahme eines Unternehmens interessieren und würden dazu möglicherweise noch etwas Geld von der Bank benötigen. Welche Unterlagen, Zahlen, Daten und Fakten erwarten Sie von einem "Übernahmekandidaten"?

Grundsätzlich greift man als Kaufinteressent als erstes auf solche Unterlagen zurück, welche so oder so vorliegen. Ich meine damit vorallem die Bilanzen und anderes Zahlenmaterial, welches auch über die Vorausschau und Zukunftsplanung eines Betriebes Auskunft geben sollte. Daneben interessieren mich auch Themen wie der aktuelle Kundenstamm, die Zahlungsmoral und vieles mehr. Nebst diesen wichtigen Informationen wäre für mich das persönliche "Feeling" ganz entscheidend, welches ich für ein entsprechendes Unternehmen entwickle. Dieser Faktor würde meine Entscheidung mit Sicherheit sehr stark beeinflussen. Von den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen erwarte ich auch, dass ich sie gegebenenfalls für eine Finanzierungsanfrage bei einer Bank oder auch zur Abklärung der Fördermöglichkeiten nutzen kann.

Angenommen, Sie wären heute Existenzgründer und stehen vor der Wahl, ein Unternehmen neu zu gründen oder ein im Markt gut eingeführtes Unternehmen mit stabilem Auftrags- und Ertragspotential, qualifizierten Mitarbeitern und umfangreichem Kundenstamm zu übernehmen. Welche Basis würden Sie als Start ins Unternehmertum als optimaler und Erfolgs versprechender betrachten?

Grundsätzlich könnte ich mir vorstellen, das es für jeden Existenzgründer einfacher wäre, in ein bestehendes und auf dem Markt etabliertes Unternehmen einzusteigen, als bei Null anzufangen. Der Jungunternehmer könnte sich von Beginn an auf die wesentlichen unternehmerischen Aufgaben konzentrieren, als sich möglicherweise in dem nicht zu unterschätzenden aufwändigen Gründungskleinkram zu verfangen. Es ist allerdings noch viel zuwenig bekannt, an wen man sich in dieser Frage wenden kann.

Ulrich Wagner, Geschäftsführer



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